Die Behandlung des Glaukoms, der okulären Hypertension

Das Glaukom ist eine chronische Erkrankung. Das Glaukom ist die zweithäufigste Erblindungsursache in unseren Breiten. Die Erblindung kann aber in den meisten Fällen verhindert werden. Und zwar unter der Voraussetzung dass sich der Patient an die „Spielregeln“ hält. Die erfolgreiche Behandlung verlangt kooperative Patienten, die sich an die Empfehlungen des behandelnden Arztes halten, die die empfohlene Therapie konsequent einhalten und dass die Patienten die regelmäßigen Kontrollen beim Augenarzt durchführen.

Die Indikation zur Behandlung ist nicht immer ganz klar und einfach. Sie hängt von vielen Faktoren ab. Das Vorliegen vieler Risikofaktoren kann einerseits schon bei einer okulären Hypertension (also der Vorstufe zum Glaukom) ausreichen, eine Therapie zu beginnen.

Auf der anderen Seite kann es vorkommen, dass auch ein gesichertes etabliertes Glaukom (d.h. also schon eine definitive Erkrankung) nicht unbedingt eine Behandlung erfordert. Von ganz wesentlicher Bedeutung ist dabei immer die Lebensqualität der Erkrankten und das Abwägen des Für und Wider einer Behandlung.

Es kann durchaus sein, dass das Risiko eine relevante Einbuße an Lebensqualität zu erleiden so gering ist, dass es besser ist mit einem Behandlungsbeginn zu warten. Dazu kommt, dass es Patienten gibt, deren Augen einen statistisch deutlich erhöhten Augeninnendruck tolerieren, ohne Schaden zu nehmen. Auf der anderen Seite kennen wir Patienten, deren Augen schon unter relativ „normalem“ Augeninnendruck einen Glaukomschaden entwickeln. Die Entscheidung zum Therapiebeginn ist daher keine einfache. Sie erfordert das Einbeziehen vieler Faktoren und Befunde und ist unbedingt auch immer mit einem intensiven Gespräch mit den Patienten zu treffen. Bei Therapiebeginn legt man sich im Allgemeinen einen sogenannten „Zieldruck“ fest. Dies ist jener Augenninnendruckwert, bei dem man erwartet, dass keine relevante Verschlechterung des Gesichtsfeldes eintritt. Ziel der Behandlung ist es, dass keine (weitere) Einbuße der Lebensqualität erfolgt. Diese wird zum großen Teil über das Gesichtsfeld definiert.

Beim Offenwinkelglaukom, sowie bei der okulären Hypertension, ist die medikamentöse Therapie in den meisten Fällen der erste Schritt. Es wird mit einer Monotherapie begonnen (= nur ein Wirkstoff). Wenn dieser nicht wirkt oder nicht vertragen wird, versucht man eine andere Monotherapie. In weiterer Folge kann es sein, dass man mehrere Wirkstoffe einsetzen muss (= Kombinationstherapie). Dabei ist aus verschiedenen Gründen eine fixe Kombinationstherapie zu bevorzugen.

Alternativ zur medikamentösen (Erst-) Therapie kann auch eine Laserbehandlung (= Trabekuloplastik) in Betracht gezogen werden. Dabei wird versucht eine Abflussverbesserung im Bereich des Tabekelmaschenwerkes zu erzielen. Diese Operation hat den Vorteil, dass 1. die potentiellen Nebenwirkungen der Medikamente nicht auftreten können und 2. der Eingriff ambulant durchgeführt werden kann, wenig belastend und sehr komplikationsarm ist. Leider spricht aber nicht jeder Patient auf diese Laserbehandlung an, die Versagerrate ist relativ hoch. Eine Wiederholung des Lasereingriffs (mit Argonlaser oder selektive Argonlasertrabekuloplastik) ist in der Regel nur 1-2x sinnvoll. Dann bringt diese Behandlung meist keine weitere ausreichende Drucksenkung.

Als weitere operative Verfahren stehen uns noch die sogenannten fistulisierenden Eingriffe zur Verfügung. Diese können je nach Technik „nicht penetrierend“ oder „penetrierend“ (z.B. Trabekulektomie) sein. Aufgrund Ihres doch relativ großen Aufwandes und invasiven Charakters sind sie in der Regel erst nach der medikamentösen Therapie angezeigt. Es ist damit meist ein stationärer Aufenthalt verbunden, auf jeden Fall eine intensive postoperative Betreuung über mehrere Wochen. Als weitere Operationen stehen uns noch die Einsetzung eines sogenannten „Drainageimplantates“ und die zyklodestruktiven Eingriffe zur Verfügung. Diese Verfahren sind aber in der Regel „ultima ratio“ (letzter Ausweg).

Prinzipiell kann man fast alle Operationen wiederholen, die Erfolgsrate nimmt aber mit zunehmender Operationsfrequenz ab.

Zur weiteren Information empfehle ich die Website der „European Glaucoma Society“. Diese publiziert ungefähr alle fünf Jahre aktualisierte Leitlinien für Diagnose und Behandlung des Glaukoms.